#SamstagsFrauen – Juli 2017

Meine heutige #SamstagsFrau ist:

20170719_102736
Sükriye Döker

 

Sükriye Döker – hier in Schorndorf nennen wir sie alle Schoko (herrlich!). Ich freue mich so, dass sie mir zum Interview zugesagt hat, denn ich finde sie passt perfekt zu dem, was ich mit den #SamstagsFrauen* erreichen möchte.

Schoko ist Geschäftsführerin des Zauberfadens. Der Zauberfaden² ist ein junges, gemeinnütziges Unternehmen (2014). Rasant gewachsen, wurde es schon von der Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgezeichnet. Mit der Person Sükriye Döker steht und fällt es.

Entstanden ist der Zauberfaden durch die Bekanntschaft zwischen Klaus Österle und Sükriye Döker. Sie hatten sich zufällig im Kino der Manufaktur kennen gelernten. Schnell kam es in ihrer Unterhaltung zur Überlegung, was sie selber dazu beitragen könnten, die Welt etwas besser zu machen.  Daraus entwickelte sich ein interkulturelles Gartenprojekt. Die Transition Initiative. Doch damit nicht genug. Zunächst wurde Sükriyes zweite Tochter geboren. So musste der Beruf als Trainigsmanagerin ruhen. Wie zufällig kam es, dass in dieser Zeit Sina Trinkwalder³ nach Schorndorf kam. Ihr wurde der Barbara Künkelin Preis verliehen. Die Rede Sina Trinkwalders, die von Ihrer Anfangszeit als Gründerin eines Textilunternehmens berichtete, nahm Schoko und Klaus die letzten Zweifel. Die Idee mit einer Nähwerkstatt in Schorndorf ließ sie nun nicht mehr los.  Eine Schneiderei als einfacher Zugang  in den Arbeitsalltag, für Menschen, die unverschuldet in Not geraten waren, das wollte Schoko ermöglichen. Noch bevor so viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, startete sie. Von da an ging es rasant: Räume wurden gefunden, Nähmaschinen aus eigenen Mitteln und Spendengeldern gekauft. Viele Absagen gab es auf den Versuch, Mittel aus Stiftungen und Förderungen sozialer Projekte zu bekommen. Somit war die Umsetzung der Idee finanziell ein Risiko für die Gründer. Aber Schoko gab nicht auf.  Mit ihrem herrlichen Optimismus, ihrem Durchsetzungs- und ihrem Durchhaltevermögen machte sie das scheinbar unmögliche möglich. Somit gibt es den Zauberfaden heute. Zu lange ist die Geschichte, um alle Einzelheiten zu berichten (vielleicht schreibt Schoko ja mal ein Buch darüber?). Inzwischen ist der Zauberfaden gewachsen. Die beengten Räume der Anfangszeit wurden gegen größere getauscht, Maschinen wurden aufgerüstet und weitere Menschen mit Herz als tatkräftige Helfer gefunden. Der Zauberfaden ist heute ein Vorzeigeprojekt in Schorndorf. Kooperationen mit Firmen, wie der Schorndorfer Firma Riani und der Plüderhausener Firma Kübler, aber auch die Unterstützung anderer kleinerer Unternehmen, trugen dazu bei. „Aber es ist der Zauber der Gemeinschaft von Menschen mit Herz, die den Erfolg brachten.“ Das zu nennen ist Schoko wichtig. „Ohne solche Menschen hätte es nicht geklappt.“ Darauf legt sie Wert. Menschen konnten in sinnvolle Beschäftigung kommen. Es geht ihr darum, dass nachhaltige Integration geschehen kann. Dann kam die Flüchtlingswelle und weitere Menschen strandeten in Schorndorf. Für einige kam der Start des Zauberfadens so perfekt. Aber auch andere Menschen bekommen hier eine Chance. Schoko versteht den Zauberfaden als eine große Familie. Ihr geht es um ganzheitliche Hilfe und Unterstützung. Sprache, Behörden, Ärzte – alle Themen werden abgedeckt. Hilfe bei Schulen, rechtlichen Themen und auch persönlichen Krisen gehören für sie und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter zum Alltag. Begleitet werden Menschen, wo immer sie Hilfe brauchen.

Folgende Geschichte hat mir besonders gut gefallen: Der Mühlenbesitzer Jochen Hahn berichtete Schoko von einer alten Nähmaschine. Die steht in einem der riesigen Speicher der alten Mühle. Schoko geht mit, findet sich zwischen Spinnweben und alten, leeren Getreidesäcken auf dem Dachboden wieder. Vor ihr diese wunderbare, altehrwürdige Nähmaschine. Aber los kommt Schoko von etwas Anderem nicht mehr. Den Getreidesäcken. Die liegen stapelweise auf dem Speicher und sie fragt, ob sie einen Sack mitnehmen dürfe. Von diesem Material völlig begeistert, entsteht die Idee für den heute bereits legendären Zauberfaden-Matchsack!

Matchsack103632
Zauberfaden Matchsack – aus original alten Getreidesäcken erstellt

Schoko zu kennen ist für mich ein echtes Privileg! Das erste Mal habe ich sie bei der Eröffnung vom ZIB (= Zentrum für Internationale Begegnung) getroffen. Da hatte der Zauberfaden seinen ersten Verkaufsstand, davor „kannte“ ich sie von Facebook. Sie ist eine Unternehmerin mit wahnsinnig viel Energie. Schade, dass das Wort Powerfrau inzwischen abgegriffen ist, denn das würde ich jetzt gerne verwenden. Sie hat richtig viel Power und Drive, was mir total gefällt. Denn das bedeutet, sie setzt Ideen um. Sie hat sie nicht nur im Kopf, sondern handelt. In verblüffend kurzer Zeit hat sie den Zauberfaden hochgezogen. Das muss ihr erstmal jemand nachmachen! Bei allem geht es ihr um das große Ganze und um die Menschen. Sie möchte ihren Beitrag leisten, die Welt etwas besser zu machen. Sie stellt ihre Fähigkeiten in den Dienst ihrer Vision, ihrer Idee. Sie begeistert viele Menschen mitzumachen und sieht sich eher als Netzwerkerin, weniger als geborene Unternehmerin. Ihr Tag hat viele Stunden („… es gibt Tage, da stehe ich um 4.00 Uhr auf und koche das Mittagessen“). Ohne Kraftquelle und Entspannung geht es aber auch für sie nicht. Dessen ist sie sich bewusst. Vielleicht hat eine schwere Krankheit vor vielen Jahren zu diesem Bewusstsein beigetragen. Heute nimmt sie sich täglich Zeit zur Meditation, um ihre Mitte zu finden. Dankbarkeit hat sie sich auf die Fahne geschrieben. Schoko zeigt, dass das selbst in einem eng getacktetem Businessleben möglich ist. Kurze Momente vor einer Sitzung zum Beispiel nutzt sie um auf Facebook jemand zu danken, der ihr mit den Kindern geholfen hat.

Apropos Facebook. Diese Plattform möchte sie für den Zauberfaden überhaupt nicht missen. Sie erlebt, dass Themen und Anliegen über Facebook schnell kommuniziert werden. Menschen reagieren, Türen aufgehen, „so schnell konnte ich gar nicht schauen“.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ dieses Zitat von Hermann Hesse war Namensgeber für den Zauberfaden. Dieser Anfang soll Menschen, die ohne Schuld „unters Rad“ gekommen sind, ermöglicht werden. Sükriye Döker spricht vom Zauber der Menschen, die sie inzwischen in ihrer Werkstatt erlebt hat und die sie liebevoll „Schneiderlein“ nennt. Ich spüre ihr ab, es sind Begegnungen auf Augenhöhe, von Mensch zu Mensch. Zauberhaft.

________________________

Weiterführende Links:

²  Der Zauberfaden

Facebook Seite Der Zauberfaden  

³ Verleihung Barbara Künkelin Preis 2014 an Sina Trinkwalder 

ZB20170719_103828

*#SamstagsFrauen:

Ich möchte für meine Begeisterung ein Fenster öffnen! Ich lerne so interessante Frauen kennen, die mich begeistern + inspirieren. Weil sie eine abgefahrene Geschäftsidee verwirklichen oder sich für etwas einsetzen was dazu beitragen wird, dass die Welt etwas heller wird. Eines verbindet sich alle: Mut, Überzeugung, innere Stärke, Natürlichkeit. Meine Facebook-Seite möchte ich nützen um einmal im Monat eine dieser Frauen zu „zeigen“. Mit dieser Öffentlichkeit wiederum andere unterstützen, mutig ihren Weg zu gehen und ich möchte einladen zur gelebten Solidarität unter uns Frauen.

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Advertisements

#SamstagsFrauen – April 2017

„Eine halbe Woche haben wir erst mal geweint…“
Katharina Waffenschmidt ist Präsidiumsmitglied von IJM und war mit einem Team in Indien.   Sie geht mir nahe. Ihre Geschichte, ihre Begegnung mit den Frauen in Indien. Frauen die versklavt waren und befreit wurden. Frauen mit denen Katharina Waffenschmidt auf dem Boden sitzt. Indische Frauen, die ihre Geschichte erzählen. Deutsche Frauen die zuhören um zu verstehen um zu begreifen. Um etwas zu verändern.
In ihrer Funktion als Präsidiumsmitglied bei IJM möchte Katharina ihren Einfluss nützen um hier in Deutschland auf das grausame System von Enteignung und Versklavung aufmerksam zu machen. Dazu geht sie in Netzwerke, bringt Menschen zusammen, findet Sponsoren, findet Menschen wie du und ich, die die Arbeit von IJM unterstützen.
Ich habe Katharina Waffenschmidt letzte Woche bei Spring kennengelernt. Ihr Seminar fand direkt nach meinem Facebook-Seminar im gleichen Raum statt. Das lenkte meine Aufmerksamkeit auf sie, denn IJM kenne ich schon einige Jahre, als PR-Siegle unterstütze ich diese Organisation jeweils zum Jahresende. Ideale Gelegenheit eine Mitarbeiterin von IJM persönlich kennenzulernen. Ich besuchte also eines ihrer Seminare (Sklaverei im 21. Jahrhundert) und wir verabredeten uns auf einen Kaffee. Sie erzählte mir von ihrem Weg zu IJM, ihren Aufgaben dort und ihrer Sehnsucht nach Veränderung: Dass noch mehr Anwälte engagiert werden können, um mehr Menschen zu befreien und überhaupt, dass Menschenhandel gar nicht mehr möglich ist. Diesen Wunsch teile ich zutiefst und ich muss sagen, es begeistert mich immer wieder und inspiriert mich gleichzeitig, wenn ich auf Frauen treffe, die für etwas brennen. Wie aktuell Katharina Waffenschmidt, eine Frau wie du und ich, die gerne lacht, ihre Familie und ihre Freunde liebt. Die ihre Zeit, Qualifikation, Kompetenzen, Energie einsetzt um damit die Welt etwas heller zu machen. Eine Frau die in der Öffentlichkeit steht, die ihr Herz zeigt, ihre Emotionen, die nicht in einer Funktion aufgeht, sondern immer die Menschen im Blick hat. Sie malt mir ein Bild dieser indischen Frauen, welches in meinem Herzen bleibt und welches mich wieder daran erinnert, wie kostbar Familie Mensch ist und wie wesentlich, dass wir uns letztlich alle – in unterschiedlichen Ausprägungen – dafür einsetzen.
► Katharina Waffenschmidt ist heute meine #SamstagsFrau
Sie ist Nordamerikanistin und Kunsthistorikerin. Seit 5 Jahren ist sie Präsidiumsmitglied bei IJM und lebt in Berlin.
International Justice Mission
– Opfer befreien
– Täter überführen
– Menschen stärken/Nachsorge
– Rechtssystem verändern

_KW4_Sm3

#SamstagsFrauen: Ich möchte für meine Begeisterung ein Fenster öffnen! Ich lerne so interessante Frauen kennen, die mich inspirieren. Weil sie eine abgefahrene Geschäftsidee verwirklichen oder sich für etwas einsetzen was dazu beitragen wird, dass die Welt besser wird. Eines verbindet sich alle: Mut, Überzeugung, innere Stärke, Natürlichkeit. Meine Facebook-Seite möchte ich nützen um einmal im Monat eine dieser Frauen zu „zeigen“. Mit dieser Öffentlichkeit wiederum möchte ich andere unterstützen, mutig ihren Weg zu gehen und ich will einladen zur gelebten Solidarität unter uns Frauen.